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29 Nov., 2024

Cannabinoide als Behandlungsoption im höheren Lebensalter

Densborn, den 26. November. Immer mehr ältere Patientinnen und Patienten werden in Deutschland und Europa mit medizinischem Cannabis behandelt. In einem Symposium anlässlich des Deutschen Schmerzkongress 2024 wurden unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. Wolfgang Bauermeister Einsatzgebiete und praktische Anwendung bei diesem Kollektiv vorgestellt: PD Dr. med. Michael A. Überall erläuterte die zunehmende Bedeutung in der Schmerztherapie älterer Patientinnen und Patienten und führte einen detaillierten Vergleich der Wirkstoffgruppe mit anderen Schmerztherapeutika durch, bei der medizinisches Cannabis hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit deutlich punkten konnte. In einem weiteren Vortrag stellte Dr. med. Thomas Vaterrodt aus Saarbrücken mögliche geriatrische Indikationen mit einem Fokus auf Schmerz und neurologische Krankheitsbilder vor und beleuchtete so das hohe Therapiepotenzial der Substanzgruppe. Dabei wird der Zugang zu medizinischem Cannabis nicht nur für ältere Patientinnen und Patienten ab sofort erleichtert: Gemäß dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vom 18.07.2024 entfällt inzwischen der Genehmigungsvorbehalt zur GKV-Kostenübernahme von medizinischem Cannabis für 16 Facharzt- und Schwerpunktbezeichnungen sowie 5 Zusatzbezeichnungen.1


PraxisRegister Schmerz: Immer mehr ältere Schmerzpatienten erhalten Cannabinoide

Der Anteil an Patientinnen und Patienten im höheren Alter steigt weltweit stetig an, und gleichzeitig wächst in dieser Gruppe auch das Interesse an Cannabinoiden als Therapieoption. Wie Dr. Überall in seinem Vortrag auf Basis des PraxisRegister Schmerz mit mehr als 500.000 Einträgen erläuterte, liegt bei Behandlungen mit medizinischem Cannabis der Anteil von Menschen über 65 Jahre mittlerweile bei 26,9%.2 Da derzeit für etwa 22 % der Patientinnen und Patienten im gesamten Register medizinisches Cannabis dokumentiert ist, haben sich Cannabinoide zu einem wichtigen Faktor nicht nur in der geriatrischen Schmerztherapie entwickelt. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung sei zu erwarten, dass die Behandlung chronischer Schmerzen zukünftig einen noch höheren Stellenwert einnehmen werde. Dabei betonte der Referent, dass gerade im Alter häufig mehrere simultan erlebte chronische Schmerzerkrankungen auftreten.


Mehr Teilhabe am Alltag bei guter Verträglichkeit

Für Dr. Überall stellt die hohe Alltagstauglichkeit der Therapie einen großen Vorteil dar: „Cannabinoide ermöglichen eine bessere Teilhabe am Alltag, und die geriatrischen Patientinnen und Patienten fühlen sich insgesamt wohler.“ Auch für dieses Kollektiv bedeute die Rückkehr aus schmerzbedingter Isolation eine Zunahme der Lebensqualität.3 Behandelnde sollten dabei besonders die pharmakokinetischen Veränderungen im Alter beachten, sowie die häufig vorliegende Polypharmazie. Seine Empfehlung: Auf der Webseite der Pennsylvania State University lässt sich die Kombination von Cannabinoiden mit anderen Wirkstoffen einfach überprüfen (https://sites.psu.edu/cannbinoid).

Aus Sicht von Dr. Überall seien Nebenwirkungen häufig vor allem ein Dosisproblem und können gerade in der Dosisfindung auftreten. Er empfahl eine langsame Therapieeinleitung von Cannabidiol (CBD)-dominaten Cannabisarzneimitteln gemäß dem Motto „start low, go slow“. Seiner Erfahrung nach gibt es bei zugelassenen Indikationen derzeit keine Hinweise auf eine Desensibilisierung. Zuletzt berichtete erhöhte Risiken für Herzrhythmusstörungen seien statistisch nachgewiesen, aber aufgrund ihrer sehr geringen Häufigkeit wenig relevant.4


PRISCUS2.0: Überzeugendes Wirkstoffprofil im Vergleich mit anderen Substanzklassen

Daten aus der Anwendungsbeobachtung PRISCUS2.0 mit den Erfahrungen von 1.283 Ärztinnen und Ärzten belegen ebenfalls die Vorteile von medizinischem Cannabis gegenüber anderen Schmerztherapeutika im geriatrischen Einsatz.5 Die Behandelnden sehen Cannabinoide bei diesem Patientenkollektiv gut geeignet und noch vor den potenten Opioidanalgetika, die eine wesentlich höhere Abbruchrate besitzen. Dr. Überall schloss in dieser Betrachtung neben der Wirkstärke bezüglich der Schmerzsymptomatik auch die positiven Effekte auf weitere Begleitparameter wie Angst und Stress ein, die bei klassischen Analgetika häufig erst durch die Kombination mit weiteren Therapeutika adressiert würden. In den pleiotropen Effekten von Cannabinoiden liege ein starkes Argument für die Verschreibung bei älteren Patientinnen und Patienten. Einer Studie mit Teilnehmenden ab 50 Jahren zufolge konnten etwa 40 % nach 6 Monaten Cannabinoid-Therapie ihre Begleitmedikation an Analgetika, Antidepressiva, Antiepileptika und Muskelrelaxanzien deutlich reduzieren.6

Innerhalb der Substanzklasse präferieren Ärztinnen und Ärzte bei älteren Patientinnen und Patienten CBD-dominante Extrakte vor Dronabinol und Tetrahydrocannabinol (THC)-dominanten bzw. CBD- THC-balancierten Extrakten.5 Cannabisblüten werden dagegen bei dieser Patientengruppe weitaus seltener eingesetzt. Nach Ansicht von Dr. Überall sei die bevorzugte Wahl von CBD-dominanten Extrakten vor allem auf die gute Verträglichkeit des Wirkstoffs CBD und auf die synergistischen Effekte von THC & CBD zurückzuführen.


Cannabinoide bei geriatrischen neurologischen Indikationen

Dr. Vaterrodt wies in seinem Vortrag auf das Potenzial von medizinischem Cannabis in der Geriatrie hin. Er sieht die Vorteile dabei weniger in der Kausaltherapie eines Krankheitsbildes, sondern vielmehr in der Behandlung von Symptomkonstellationen: „Gerade bei einer ausgeprägten Gebrechlichkeit (engl. frailty) seien die Begleiterscheinungen Schmerz, Gewichtsverlust, (In-)aktivität, Depression, kognitiver Abbau und Insomnie durch medizinisches Cannabis gut zu adressieren.“ Das von ihm präsentierte 7A-Wirkungsprofil von THC-CBD-Kombinationen (antinozizeptiv, appetitsteigernd, antiagitativ, antidepressiv, anxiolytisch, antiinflammatorisch und antiemetisch) lasse sich aus seiner Erfahrung in verschiedene Behandlungsstrategien einbauen, darunter diabetische Neuropathien, Trigeminus-Neuralgien, Arthritis, Schlafstörungen, Depressionen oder dem hyperaktiven Delir, wie er bei der Alzheimer-Demenz auftreten kann.


Genehmigungsvorbehalt für viele Fachärztinnen und Fachärzte entfallen

Parallel zum Deutschen Schmerzkongress 2024 trat eine Regelung in Kraft, mit der der Zugang zu medizinischem Cannabis ab sofort erleichtert wird: Gemäß dem G-BA-Beschluss vom 18.07.2024 entfällt der Genehmigungsvorbehalt zur GKV-Kostenübernahme von medizinischem Cannabis für 16 Facharzt- und Schwerpunktbezeichnungen sowie 5 Zusatzbezeichnungen – darunter unter anderem für Fachärztinnen/Fachärzte für Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Innere Medizin, Neurologie oder Psychiatrie und Psychotherapie sowie den Zusatzbezeichnungen Geriatrie, Schlafmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin und Medikamentöse Tumortherapie.1

Nach Ansicht des G-BA können die ausgewählten Facharztgruppen die Notwendigkeit einer Cannabisverordnung eigenständig beurteilen und sind damit von der aufwändigen Antragspflicht entbunden. Dennoch empfiehlt es sich, für jede Neueinstellung die nötigen Angaben für einen Antrag auf Kostenübernahme vorzubereiten und vorsorglich in der Patientenakte abzulegen. Für andere Facharztgruppen, die im Beschluss nicht aufgezählt wurden, gilt nach wie vor der Genehmigungsvorbehalt.

Für Einzelheiten zum G-BA-Beschluss und alle Fragen rund um medizinisches Cannabis steht das Tilray Kompetenzzentrum unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 400 3 100 zur Verfügung (Montag bis Freitag, 08:00-16:30 Uhr).


Über Tilray Medical

Tilray Medical hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität von Patienten auf der ganzen Welt zu verbessern, Leben zu verändern und Patienten durch einen sicheren und zuverlässigen Zugang zu einem globalen Portfolio medizinischer Cannabisprodukte zu mehr Würde zu verhelfen. Tilray entwickelte sich von einem der ersten Unternehmen, das als lizenzierter Hersteller von medizinischem Cannabis in Kanada zugelassen wurde, bis hin zum Bau der ersten GMP-zertifizierten Cannabisproduktionsanlagen in Europa, zunächst in Portugal und später in Deutschland. Heute ist Tilray Medical einer der größten Versorger im Bereich medizinischer Cannabisprodukte für Patienten, Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken, Forschungseinrichtungen und Regierungen in über 20 Ländern auf fünf Kontinenten.


Für weitere Informationen zu Tilray Medical, besuchen Sie www.tilraymedical.de.

1 CBell Alan D, et al. Clinical Practice Guidelines for Cannabis and Cannabinoid-Based Medicines in the Management of Chronic Pain and Co-Occurring Conditions, Cannabis Cannabinoid Res, 2023 Mar 27. doi: 10.1089/can.2021.0156. Online ahead of print.

 

1 https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1210/

2 PraxisRegister Schmerz. https://www.dgschmerzmedizin.de/versorgung/praxisregister-schmerz/ (letzter Zugriff : 22.11.2024)

3 Abuhasira R et al. Medical Cannabis for Older Patients-Treatment Protocol and Initial Results. J Clin Med. 2019;1;8(11):1819.

4 Holt A et al. Cannabis for chronic pain: cardiovascular safety in a nationwide Danish study. Eur Heart J. 2024;45(6):475-484.

5 Überall MA et al. PRISCUS-Schmerz 2.0: Ergebnisse einer Querschnittbefragung deutscher Ärzte zur Eignung verschiedener Arzneistoffe für die Schmerztherapie älterer Menschen durch die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin. Data on file; IFNAP/DGS.

6 Pearson B et al. Medical cannabis for patients over age 50: a multi-site, prospective study of patterns of use and health outcomes. Cannabis 2024.

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