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28 Nov., 2025

Synergistische Cannabinoidtherapie: Kombination aus THC und CBD überzeugt in Praxis und Klinik

Neumünster, den 20. November. Die Kombination aus Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) kann die Wirksamkeit und Verträglichkeit gegenüber einer reinen THC- Therapie verbessern – insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen. Sie steht exemplarisch für den Wandel hin zu einer individualisierten und bedürfnisorientierten Schmerzmedizin, die heutzutage durch standardisierte Vollspektrum- Cannabisextrakte in unterschiedlichen Wirkstoffkombinationen praktisch umsetzbar ist. Bei einem von Prof. Dr. Roman Rolke, Aachen, moderiertem Symposium im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses in Mannheim zeigten die Referenten PD. Dr. Michael A. Überall, Nürnberg, und Janosch Kratz, Berlin, eindrucksvoll, dass die Kombination von THC und CBD in der Schmerzmedizin zunehmend an Bedeutung gewinnt.


Zwei Substanzen, viele Wirkungen

Das körpereigene Endocannabinoid-System reguliert Schmerz, Entzündung, Schlaf, Stimmung und Stress über Cannabinoid-Rezeptoren (u.a. CB1 und CB2) im zentralen und peripheren Nervensystem. Die beiden Phytocannabinoide THC und CBD aus der Cannabispflanze adressieren gezielt das Endocannabinoid-System und besitzen additive und synergistische Wirkungen: THC hat partiell agonistische Wirkungen auf den CB1-Rezeptor und besitzt unter anderem eine schmerzstillende, muskelrelaxierende und appetitanregende Wirkung – kann allerdings, insbesondere in höheren Dosierungen, auch psychotrope Begleiteffekte hervorrufen. CBD wirkt dagegen als allosterischer Modulator am Rezeptorsystem, verstärkt die analgetische THC-Wirkung und greift in eine Vielzahl neuronaler und entzündungsrelevanter Signalwege ein. Dabei wirkt es unter anderem anxiolytisch, antipsychotisch, antiinflammatorisch und reduziert THC-bedingte Nebenwirkungen. Dr. Überall: „Eine Kombination aus THC und CBD ist pharmakologisch und therapeutisch sinnvoll, weil beide Cannabinoide auf unterschiedlichen und sich ergänzenden Ebenen wirken.“

Wie Kratz betonte, unterscheiden sich Cannabispräparate daher pharmakologisch nach ihrem Verhältnis von THC zu CBD. THC-dominante Präparate wirken stärker analgetisch, ausgewogene Kombinationen mit gleichem THC/CBD-Wirkstoffgehalt erzielen eine günstige Balance zwischen Wirkung und Verträglichkeit, während CBD-dominante Produkte sich besonders für den sicheren und nebenwirkungsarmen Therapiestart bewährt haben. So wird eine individuelle Therapiegestaltung möglich, die Schmerzreduktion, Verträglichkeit, psychische Stabilität und Lebensqualität gleichermaßen berücksichtigt.


Klinische Studien und Real-World-Daten untermauern die Synergievorteile

Die klinische und praktische Evidenz zur Cannabinoidtherapie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. In einer US-amerikanischen Beobachtungsstudie mit Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen wurden nach 3 und 6 Monaten in der Gruppe, die medizinisches Cannabis erhielt, signifikante Verbesserungen hinsichtlich Schmerzen, Schlaf, Stimmung, Angstzuständen und Lebensqualität beobachtet, während die Kontrollgruppe ohne Cannabis keine vergleichbaren Effekte zeigte.1 Dabei war eine höhere THC-Exposition mit einer stärkeren Schmerzreduktion verbunden, während eine höhere CBD-Exposition vor allem die Stimmung verbesserte und Angst sowie Unruhe reduzierte. Real-World-Daten mit einem direkten Vergleich von THC-Monopräparat und THC-CBD-Kombination bei neuropathischen Schmerzen konnten zeigen, dass letztere bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit überlegen war.2 Besonders die Begleitfaktoren Stress, Angst und Depressivität sowie die Parameter Funktionalität und Lebensqualität wurden in der Studie unter der THC/CBD-Kombination gegenüber der THC- Monotherapie deutlich verbessert. Auch der Bedarf an anderen medikamentösen Dauerschmerztherapien bzw. medikamentösen Notfallschmerztherapien konnte signifikant reduziert werden.

Laut Dr. Überall hat in der Versorgungspraxis die Bedeutung von CBD-haltigen Präparaten bei älteren Schmerzpatientinnen und -patienten kontinuierlich zugenommen. Einer Auswertung des Deutschen Schmerzregisters mit 17.136 älteren Schmerzpatientinnen und -patienten zufolge werden Cannabis- Präparate umso länger eingesetzt, je höher ihr CBD-Anteil ist.3 „CBD-dominante Präparate werden überdurchschnittlich häufig eingenommen, was vor allem auf einer besseren Verträglichkeit beruht,“ erklärte Dr. Überall. Auch Ärztinnen und Ärzte attestierten in der PRISCUS-Schmerz-2.0- Anwendungsbeobachtung (n = 1.283) den Cannabis-Präparaten eine hohe Eignung für ältere Schmerzpatientinnen und -patienten, die mit steigendem CBD-Anteil noch zunimmt – und dies auch gegenüber den potenten Opioidanalgetika, die eine wesentlich höhere Abbruchrate besitzen.4


Individueller und bedürfnisorientierter Therapieeinstieg

Die erfolgreiche Anwendung der Cannabinoidtherapie beruht auf einem sorgfältig abgestuften Vorgehen bei Einleitung und Durchführung der Therapie. Beide Referenten betonten, dass in der Praxis viele geriatrische Schmerzpatientinnen und -patienten mit einer finalen THC-Dosierung von etwa 10 mg gut eingestellt werden können. „Bei geriatrischen Patientinnen und Patienten, Personen mit ausgeprägter Angst- und Unruhesymptomatik sowie schweren kardiologischen Vorerkrankungen oder möglichen pharmakodynamischen Wechselwirkungen mit anderen Sedativa ist eine konservative Dosierung von THC empfehlenswert“, verdeutlichte Kratz. Aus Sicht des Referenten spricht die heutige Evidenz in vielen Fällen auch für einen Therapiestart mit einem CBD-dominanten Präparat mit niedriger THC-Wirkstoffkonzentration, welche im Verlauf der Therapie langsam aufdosiert werden kann. Kratz: „Die Kombinierbarkeit der beiden Substanzen gibt uns eine hervorragende Möglichkeit, um die Therapie individuell und bedürfnisorientiert anzupassen.“


Therapievielfalt durch Vollspektrum-Cannabisextrakte abgedeckt

Für ein individualisiertes Vorgehen stehen heutzutage verschiedene standardisierte Cannabisextrakte mit unterschiedlichen THC- und CBD-Gehalten zur Verfügung. Diese Vielfalt erlaubt es Ärztinnen und Ärzten, je nach Bedarf die passende Wirkstoffkombination auszuwählen und die Therapie im Verlauf fein zu justieren. Dabei ist die Verschreibung von THC/CBD-Kombinationen in Deutschland grundsätzlich zulässig, wenn etablierte Therapien nicht ausreichen. Bei entsprechender Indikation kann die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen erfolgen. Gemäß dem G-BA-Beschluss vom 18.07.2024 entfällt zudem der Genehmigungsvorbehalt für bestimmte Facharztgruppen.5 Dazu gehören unter anderem Fachärztinnen und -ärzte für die Schmerz-, Palliativ-, Geriatrie-, Tumor oder Schlafmedizin, aber auch für Allgemeinmedizin, Kardiologie, Gastroenterologie, Endokrinologie und Gynäkologie.

Für Einzelheiten zum G-BA-Beschluss und alle Fragen rund um medizinisches Cannabis steht das Tilray Kompetenzzentrum unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 400 3 100 zur Verfügung (Montag bis Freitag, 08:00-16:30 Uhr).


Über Tilray Medical

Tilray Medical hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten auf der ganzen Welt zu verbessern, Leben zu verändern und Menschen durch einen sicheren und zuverlässigen Zugang zu einem globalen Portfolio medizinischer Cannabisprodukte zu mehr Würde zu verhelfen. Tilray entwickelte sich von einem der ersten Unternehmen, das als lizenzierter Hersteller von medizinischem Cannabis in Kanada zugelassen wurde, bis hin zum Bau der ersten GMP- zertifizierten Cannabisproduktionsanlagen in Europa, zunächst in Portugal und später in Deutschland. Heute ist Tilray Medical einer der größten Versorger im Bereich medizinischer Cannabisprodukte für PatientInnen, ÄrztInnen, Krankenhäuser, Apotheken, Forschungseinrichtungen und Regierungen in über 20 Ländern auf fünf Kontinenten.


Für weitere Informationen zu Tilray Medical, besuchen Sie www.tilraymedical.de.

 

1 Gruber S et al. No pain, all gain? Interim analyses from a longitudinal, observational study examining the impact of medical cannabis treatment on chronic pain and related symptoms. Exp Clin Psychopharmacol. 2021; 29(2): 147-156.

2 Ueberall MA et al. Comparison of the Effectiveness and Tolerability of Nabiximols (THC:CBD) Oromucosal Spray versus Oral Dronabinol (THC) as Add-on Treatment for Severe Neuropathic Pain in Real-World Clinical Practice: Retrospective Analysis of the German Pain e-Registry. J Pain Res. 2022; 15: 267–286.

3 PraxisRegister Schmerz. https://www.dgschmerzmedizin.de/versorgung/praxisregister-schmerz/ (letzter Zugriff : 31.10.2025)

4 Überall MA et al. PRISCUS-Schmerz 2.0: Ergebnisse einer Querschnittbefragung deutscher Ärzte zur Eignung verschiedener Arzneistoffe für die Schmerztherapie älterer Menschen durch die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin. Data on file; IFNAP/DGS.

5 Gemeinsamer Bundesausschuss. Cannabisverordnung ohne vorherige Genehmigung der Krankenkasse: G-BA-Beschluss zu Voraussetzungen tritt morgen in Kraft. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1210/ (zuletzt aufgerufen am: 20.11.2025).

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